Ein deutscher Klassiker: Lola rennt

Egal ob man es gut findet oder nicht, US-amerikanische Filmproduktionen aus Hollywood dominieren auch in Europa die Filmlandschaft. Oftmals sind die amerikanischen Filme in unzähligen Sprachen synchronisiert und erhalten so weltweite Anerkennung. Ab und zu gibt es jedoch auch Filme aus europäischen Ländern, die hohe Wellen schlagen. Dazu gehört der deutsche Klassiker LOLA RENNT, der im Englischen den Titel „Run, Lola Run“ erhielt.

OT: Lola rennt (DE 1998)

Es ist kaum zu glauben, aber der Thriller von Regisseur Tom Tykwer („Ein Hologramm für den König“) wurde 1998 veröffentlicht und ist mittlerweile schon über 20 Jahre alt. Sein experimentelles Konzept und die begabte Franka Potente („Conjuring 2“) als Lola katapultierten den ungewöhnlichen Indie-Film damals an die Spitze und machte auch die Schauspielerin von heute auf morgen zum Star. Warum sollte man sich den Film also nicht nochmal ansehen? Denn manchmal ist es ganz schön, solche alten Klassiker wieder auszugraben. Gerade, wenn diese zu ihrer Zeit erfolgreich waren, haben sie die Entwicklung der Filmgeschichte höchstwahrscheinlich auf die ein oder andere Art beeinflusst.

Das ist auch bei „Lola rennt“ der Fall. In den Unterhaltungsmedien wurde zum Beispiel schon oft auf die einzigartige Produktion angespielt. So gibt es bei den „Simpsons“ eine Folge im „Lola rennt“-Stil und selbst die Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ hat die Erzählweise des Thrillers für eine ihrer Episoden übernommen. Selbst eine Version des Videospiels Zelda verfolgt ein ähnliches Zeitkonzept und wurde vom Indie-Film inspiriert.

Darum geht’s

Aber worum geht es in „Lola rennt“ und was macht den Film so einzigartig? Die Handlung des Films ist recht simpel: Die Protagonistin Lola erhält einen panischen Anruf ihres Freundes Manni (Moritz Bleibtreu), der in einer lebensbedrohlichen Situation steckt. Er war damit beauftragt, eine Tasche mit 100.000 DM zu übergeben, verlor diese jedoch in einem unachtsamen Moment in der Berliner S-Bahn. In nur 20 Minuten trifft sich Manni mit seinem Boss. Sollte dieser bemerken, dass Manni das Geld verloren hat, wird er ihn umbringen. Nun liegt es an Lola, ihrem Freund zu helfen. Der Film zeigt drei verschiedene Zeitleisten. Je nachdem, wie sich Lola entscheidet, erwartet die beiden ein anderer Ausgang. In einer Version versucht Lola zum Beispiel das Geld zu beschaffen, indem sie im Roulette gewinnt. Während sich heutzutage immer mehr Menschen im virtuellen Online Casino aufhalten, besucht Lola ein ganz reales Casino. Und obwohl die Chancen 50 zu 50 stehen, geht die Sache gut aus.

„Der Film zeigt drei verschiedene Zeitleisten. Je nachdem, wie sich Lola entscheidet, erwartet die beiden ein anderer Ausgang.“

In einer anderen Version rennt Lola nicht ins Casino, sondern versucht Manni daran zu hindern, aus Verzweiflung einen Supermarkt auszurauben. Auf dem Weg zu ihm trifft sie jedoch auf ihren Vater und dessen Geliebte. Hier erfährt sie schockierende Neuigkeiten und kommt anschließend zu spät. In einer dritten Version überfällt Lola eine Bank und kann dieser erfolgreich die hohe Geldsumme entwenden. Anschließend kommt es jedoch zu einem tragischen Unfall. Indem der Film drei mögliche Ausgänge zeigt, baut er auch drei Spannungsbögen auf, die die Zuschauer regelrecht an den Bildschirm fesseln. Schnelle Schnitte und hektische elektronische Musik geben einem das Gefühl, mitten drin zu sein. Außerdem werden öfters Trickfilmsequenzen benutzt, was für einen Spielfilm eher ungewöhnlich ist. So gelingt es Tykwer auf künstlerische Art, die Themen Zufall und Schicksal zu behandeln. Es sind nämlich Lolas Entscheidungen, die sie innerhalb von Sekunden fällen muss, die Einfluss auf Leben und Tod ihres Freundes haben. Genau diese philosophische Thematik macht den Film auch zu einem Evergreen und bis heute wirklich sehenswert. Da sich die Geschichte auf hauptsächlich auf die Handlung und nicht den Dialog zwischen den Hauptdarstellern stützt, war er auch außerhalb Deutschlands inklusive den USA ein großer Erfolg.

„Ausländische Filme“ werden oft nämlich nur mit Untertiteln ausgestattet, was Zuschauer in anderen Ländern abschrecken kann. Neben den renommiertesten deutschen Filmpreisen gewann „Lola rennt“ auch „Bester ausländischer Film“ auf dem Sundance Festival und erhielt eine Nominierung bei den Oscars. Übrigens: Dank ihrer Rolle als Lola gelang Franka Potente auch der internationale Durchbruch. So war sie zweimal an der Seite von Matt Daemon in der Bourne Identität zu sehen und spielte auch in der US-amerikanischen Serie „American Horror Story“ mit.

„Lola rennt“ ist als VOD erhältlich sowie auf DVD und Blu-ray erschienen.

Ein Kommentar

  • Der Film mit Gameplay-Anleihen. Und die Zwischensequenzen mit Lola und Manni bei ihren philosophierenden Gesprächen sind einfach nur großartig. Tykwer hat damals den Nerv der Zeit getroffen und mal nebenher ein filmisches Unikat geschaffen.

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