Palm Springs

(K)ein neuer Dreh im Zeitreisegenre – Max Barbakow schickt in PALM SPRINGS zwei junge Erwachsene in eine Zeitschleife und schlägt dabei ein paar irrwitzige Haken. Weshalb die Komödie schon jetzt einer der Geheimtipps des Jahres ist, das verraten wir in unserer Kritik.

OT: Palm Springs (USA 2020)

Der Plot

Auf einer Destination Wedding im Urlaubsparadies Palm Springs trifft die genervte Trauzeugin Sarah (Cristin Milioti) auf den tiefenentspannten Nyles (Andy Samberg). Als er eines abends spontan eine rührende Familienansprache hält, trifft er genau ihren Nerv und die beiden verbringen einen schönen Abend miteinander. Doch als Sarah und Nyles wieder zur Hochzeitsgesellschaft zurückkehren wollen, kommt es zu einem verhängnisvollen Zwischenfall: Fortan ist Sarah in einer Zeitschleife gefangen – und erfährt von Nyles, dass dieser schon sein halbes Leben in ebendieser Zeitschleife verbringt. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass es für sie kein Entkommen gibt. Doch auf ihre anfängliche Resignation nimmt sich Sarah vor, das Beste aus ihrer Situation zu machen – und die Dinge schließlich selbst in die Hand zu nehmen…

Kritik

Die Sache mit den Zeitschleifen – sie ist seit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ nicht neu, aber sie lässt sich eben auf so viele verschiedene Arten variieren, dass man sie auf sämtliche Genres übertragen und damitviele Dinge anstellen kann. Zum Beispiel einen maskierten Killer auf eine ahnungslose Blondine hetzen („Happy Death Day“), eine oberflächliche Jugendliche mit ihrem toxischen Lebensstil konfrontieren („Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“) oder Tom Cruise in einen Kampf gegen Aliens schicken („Edge of Tomorrow“). Schon anhand dieser tonal vollkommen unterschiedlichen Beispiele erkennt man, wie mannigfaltig sich das Filmelement der Zeitschleife aufziehen lässt. Natürlich gibt es dazwischen auch immer einige weniger gelungene Vertreter; Zuletzt die öde Netflix-Produktion „Love Wedding Repeat“, die überhaupt nichts aus ihrer interessanten Prämisse herauszuholen wusste. Doch wenn man es nur halbwegs clever anstellt, lassen sich die Grenzen der Fantasie bei dieser Grundidee beliebig ausweiten – und eben nicht nur in Sachen Setting, sondern auch im Umgang mit der Misere herrlich abdrehen. Etwas, was Drehbuchautor Andy Siara („Grill Dog“) für seine Komödie „Palm Springs“ verinnerlicht hat. Denn obwohl eigentlich alles so ist, wie man es kennt, setzt er so gezielt eigene Akzente, dass sein Film zu den besten des Genres gehört.

Nyles (Andy Samberg) und Sarah (Cristin Milioti) stecken gemeinsam in der Klemme…

Eigentlich ist es schade, dass „Palm Springs“, der in den USA nicht ins Kino kam (hier ist der Film wie schon „Bad Education“ direkt zum Streamingdienst hulu gewandert), von Anfang an als Zeitreise-Film vermarktet wurde. Denn eigentlich ist der Aufbau der Fantasy-Komödie wie gemacht dafür, den Zuschauer zu foppen. Sofern „Palm Springs“ also noch nach Deutschland kommt, sollten ihn Kinobetreiber unbedingt für Sneak Previews auf der Uhr haben. Regisseur Max Barbakow beginnt sein Langfilmdebüt nämlich als an Filme wie „Destination Wedding“ (die Handlung ist ja sogar auf dem Fest so einer „Urlaubshochzeit“ angesiedelt) oder ähnliche Zwei-Menschen-treffen-sich-und-reden-über-Gott-und-die-Welt-Geschichten angelehnte RomCom, in der zufällig Mann und Frau aufeinander treffen, die gemeinsam ihren Frust über die aktuelle Situation teilen. Doch schon nach rund 20 Minuten eskaliert die Situation: Erst wird Nyles wird von einem unbekannten Jäger mit einem Pfeil attackiert (wer wirklich so gar keine Ahnung von der Handlung hat, könnte hierin sogar den Beginn eines knallharten Horrorplots vermuten) und schließlich entdeckt Sarah inmitten einer Felsenhöhle ein gleißendes Licht, vor dem sie Nyles zwar noch zu warnen versucht, das Sarah jedoch alsbald an den Anfang des vergangenen Tages zurückschickt. Nun ist sie gemeinsam mit Nyles gefangen in dieser einen einzigen Tag umfassenden Hochzeits-Zeitschleife.

„Eigentlich ist es schade, dass „Palm Springs“ von Anfang an als Zeitreise-Film vermarktet wurde. Denn eigentlich ist der Aufbau der Fantasy-Komödie wie gemacht dafür, den Zuschauer zu foppen.“

Nach den üblichen hysterischen Verwunderungen über Sarahs neue und Nyles‘ alte Situation verlassen sich die Macher zunächst auf Altbewährtes. Ausführliche Szenenmontagen zeigen, was die beiden alles gemeinsam unternehmen; jetzt, wo doch keine ihrer Handlungen irgendeine dauerhafte Folge hat. Dank der hervorragenden Chemie zwischen „Brooklyn Nine-Nine“-Mastermind Andy Samberg und Serienstar Cristin Milioti („Fargo“) macht es nicht nur einen Riesenspaß, den beiden in ihrer Interaktion, beim gegenseitigen Necken, aber auch bei sich sukzessive ins Amouröse steigernden Zuneigung zu beobachten. Das Verhalten von Nyles und Sarah ist darüber hinaus – und gemessen an den inhaltlichen Umständen – zu jeder Zeit nachvollziehbar. Zwar arrangiert sich insbesondere Sarah im Laufe des Films genauso mit der Situation wie Nyles schon seit Ewigkeiten, doch wie beide immer wieder versuchen, neue Ideen für ein Entkommen aus der Zeitschleife umzusetzen, nie völlig zu resignieren und der ganzen Situation mit Logik (!) zu begegnen, verankert selbst ein so skurriles Szenario wie eine Zeitschleife glaubwürdig in der Realität. Und dass beide auch noch einen wahrlich trockenen Humor an den Tag legen, um wahlweise Nyles‘ untreuer Exfrau eins reinzuwürgen oder sich auf der Hochzeit mal so richtig gehen zu lassen, lässt einen als Zuschauer endlich mal wieder Tränen lachen. „Palm Springs“ ist einer der lustigsten Filme der vergangenen Jahre.

Ob die beiden aus der Zeitschleife herausfinden?

Doch Max Barbakow und Andy Siara lösen sich auch von den handelsüblichen Zeitschleifen-Tropes; Und dann wird ihr „Palm Springs“ von einer sehr guten Komödie zu einem potenziellen Geheimtipp bis – vielleicht irgendwann einmal – Klassiker. Der Grund dafür ist in erster Linie die clevere Auflösung, zu deren Effektivität vor allem beiträgt, dass die beiden Protagonisten von Anfang an als äußerst smart etabliert werden. Würde man diese nicht ansatzweise so clever zeichnen, wie sie sich hier im Laufe des Films präsentieren, würde „Palm Springs“ vermutlich in herkömmlichen Genrebahnen verlaufen. So aber trauen sich die Macher an einen Plotverlauf, der so bisher einmalig ist – und von dem man sicher auf den ersten Blick vielleicht sogar denken könnte, dass ein Film dadurch doch sein ganzes Potenzial verspielt. Genau dies ist hier allerdings nicht der Fall. Einfach weil bis vorher niemand auf die Idee kam, einen Film mit Zeitschleifenthematik so aufzulösen, wie die Macher von „Palm Springs“.

„Doch Max Barbakow und Andy Siara lösen sich auch von den handelsüblichen Zeitschleifen-Tropes; Und dann wird ihr „Palm Springs“ von einer sehr guten Komödie zu einem potenziellen Geheimtipp bis – vielleicht irgendwann einmal – Klassiker.“

Das tröstet auch darüber hinweg, dass das Skript im Mittelteil ein paar vorhersehbare Dinge mit den Hauptfiguren anstellt, die zwar ihren Zweck erfüllen, die in dem ansonsten so frischen und innovativen Konzept allerdings noch abgestandener erscheinen, als sie es ohnehin sind. Doch auch hierüber spielen Samberg und Milioti locker hinweg. Und wenn dann auch noch J.K. Simmons („Whiplash“) in einer Nebenrolle als undurchsichtiger Geheimnisträger aufschlägt, dessen Identität sich erst nach und nach erschließt, ist man als Zuschauer wieder mittendrin in den Stärken dieses filmischen Urlaubsparadieses.

Fazit: Einer der lustigsten, cleversten und sympathischsten Filme der letzten Jahre – „Palm Springs“ hat das Potenzial eines Comedygeheimtipps, aus dem vielleicht irgendwann sogar mal ein Klassiker wird. Und Andy Samberg und Cristin Milioti sind einfach zuckersüß!

„Palm Springs“ ist in den USA bei hulu streambar.

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