Out of Play: Der Weg zurück

Ein weiteres Mal arbeitet Regisseur Gavin O’Connor mit Ben Affleck zusammen. Diesmal für sein Sportlerdrama OUT OF PLAY: DER WEG ZURÜCK, der wie ein Befreiungsschlag für den imagetechnisch angeschlagenen Schauspieler wirkt. Warum, das verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Damals in der High-School lief für Jack Cunningham (Ben Affleck) alles nach Plan. Als gefeierter BasketballStar hatte er sein Ticket fürs College bereits in der Tasche und hätte sogar Profi werden können. Dann aber entschloss er sich, dem Sport – und damit einer verheißungsvollen Zukunft – den Rücken zu kehren. Jacks glorreiche Tage mögen lange vorbei sein. Doch wie sich herausstellen soll, sind sie keineswegs vergessen: Jahre später erhält er das Angebot, das erfolglose Basketball-Team seiner alten Universität als Trainer auf Vordermann zu bringen. Dass Jack diese Herausforderung widerwillig annimmt, überrascht niemanden mehr als ihn selbst. Als die Spieler beginnen, sich zu einem echten Team zusammenzuraufen und erste Siege erzielen, scheint es so, als bekäme Jack seine vielleicht letzte Chance auf Erlösung.

Kritik

Ben Affleck hat in den vergangenen Monaten vorwiegend durch sein Privatleben für Aufmerksamkeit gesorgt. Alkoholismus, Scheidung und nun vor wenigen Tagen eine neue Liebe – da rückte sein eigentlicher Job als Schauspieler erst einmal in den Hintergrund. Auch seine persönlich bedingte Rollenabsage als Batman rollte seine Suchtprobleme noch einmal auf; Mittlerweile versteckt sich der 47-jährige Kalifornier nicht mehr, sondern geht offen mit seinen gesundheitlichen und persönlichen Problemen um. Dazu passt auch die Annahme der Hauptrolle im Sportlerdrama „Out of Play: Der Weg zurück“. Regisseur Gavin O’Connor ist selbst ein guter Freund von Affleck und hat nach dem kühlen Thriller „The Accountant“ ein weiteres Mal eine Rolle direkt für seinen Kumpel konzipiert. In diesem Fall die des alkoholabhängigen, jedoch durch den Basketballsport ins Leben zurückfindenden Bauarbeiters und Trainers Jack. Für die Verkörperung dieses kantigen Charakters, der regelmäßig sein ihn liebendes Umfeld vor den Kopf stößt und dessen Leben immer wieder von Rückschlägen geprägt ist, musste sich Affleck am Set auch seinen eigenen Dämonen stellen. Und genau dieser persönliche Bezug zur Materie ist es, der „Out of Play: Der Weg zurück“ zu einer bemerkenswerten Intimität verhilft, während die Geschichte an sich insgesamt ein wenig zu sehr den ungeschriebenen Gesetzen des Genres Sportlerdrama folgt.

Ob Jack (Ben Affleck) dank der neuen Aufgabe endlich vom Alkohol loskommt?

Es sind die typischen Bilder, die Gavin O’Connor zur Beschreibung seines Charakters nutzt: Noch vor Einblendung des Filmtitels (im Original sollte der Film unter dem Namen „The Way Back“ ins Kino kommen, fiel dann aber der weltweiten Corona-Pandemie zum Opfer und ist in den USA mittlerweile direkt als Stream erschienen) sehen wir Jack, wie er sich noch vor Antritt seiner Arbeit auf dem Bau heimlich klaren Alkohol in seinen Thermo-Kaffeebecher füllt. Als er nach Hause kommt, konfrontiert ihn seine Schwester mit einem Anruf seiner getrennt lebenden Ex-Frau, die sich Sorgen um seinen steigenden Schnaps-Konsum macht und auf die Aussage, Jack trinke ja längst nicht mehr bloß ein Feierabendbier am Tag, wie der zunehmend gereizte Mann es von sich selbst behauptet, reagiert er mit einem körperlichen Wutausbruch. Als Zuschauer weiß man sofort, worin das Problem dieses Mannes besteht, der es auch vor seinen Liebsten immer schlechter verstecken kann. Die Anfrage, als Trainer für sein ehemaliges Basketball-Team zu arbeiten, wirkt da passenderweise wir der dringend benötigte Lichtblick; zunächst sogar im wahrsten Sinne des Wortes, schließlich trainiert er an seiner ehemaligen Almer Mata ein römisch-katholisches Team, das normalerweise von einem Pater auf die Wettkämpfe vorbereitet wird. Doch Gavin O’Connor und sein Co-Schreiber Brad Ingelsby („Run all Night“) locken einen auf eine falsche Fährte: Mit insbesondere in den USA weit verbreitetem Christenkitsch hat „Out of Play“ nichts zu tun.

Stattdessen ist Jack für sein Glück, aber auch für sein Unglück selbst verantwortlich. Getreu dem Genre des Mut machenden Sportlerdramas ist sein Weg vom alkoholsüchtigen Niemand hin zum triumphierenden Sieger-Trainer (?) mit diversen Hochs und Tiefs gespickt. Und aufgrund der mitreißenden Leistung des sichtbar mit dem Thema vertrauten Ben Affleck ist es fast schade, dass sich Gavin O’Connor die meiste Zeit über vor allem dem Sport zuwendet. Hat Jack nämlich erst einmal als Trainer angeheuert und dabei auch seinen alten Ehrgeiz wiederentdeckt, dringt das Skript tief in die Basketballthematik ein; erklärt Fachbegriffe, veranschaulicht bestimmte Spieltechniken und reißt auch die privaten Hintergründe einiger Spieler an. Leider bleiben die Macher bei den Teenagern jedoch allzu sehr an der Oberfläche. Nur vereinzelt pickt sich O’Connor einzelne Schützlinge von Jack heraus, um so hin und wieder auch der Mannschaft ein persönliches Gesicht zu geben. Die meiste Zeit über bleiben die Spieler allerdings auf ihre Funktion als Spieler beschränkt, sodass sich zwar nachvollziehen lässt, dass Jack durch den Sport durchaus wieder Blut geleckt hat. Seine persönlichen Verbindungen zu den Athleten bleibt indes bloße Behauptung.

Jack hat seine Schützlinge fest im Blick.

Durch den starken Fokus auf das Basketballspiel rückt auch die Figur des Jack im Mittelteil des Films in den Hintergrund. Das ist erzählerisch sogar nachvollziehbar: Schließlich löst sich seine Aufmerksamkeit auf den Alkohol durch die Konzentration auf den Sport sukzessive auf. Erst wenn im letzten Drittel die Hürden zu hoch, Jacks Willenskraft zu schwach werden, wird „Out of Play: Der Weg zurück“ wieder verstärkt zum charaktergetriebenen Drama. Ben Affleck durchlebt in den eindreiviertel Stunden des Films derweil eine kleingehaltene Tour de Force. Auch vollkommen ohne die in Suchtfilmen so häufig auftretenden, mit sich selbst Kämpfe legt der Schauspieler all sein Herzblut in die Verkörperung dieser innerlich zerrissenen Rolle. Selbst in den Momenten des größten Triumphs hält sich Jack zurück; wissend, dass es jederzeit wieder anders sein könnte. Audiovisuell unterstreicht insbesondere Kameramann Eduard Grau („Der verlorene Sohn“) dies mit kühl komponierten, präzisen Bildern, die keinerlei Überstilisierung zulassen. „Out of Play: Der Weg zurück“ ist ein unaufgeregter Film, dessen dramaturgischer Ablauf sich zwar erahnen lässt, wenn man zuvor auch nur irgendeinen Film dieser Couleur gesehen hat. Gleichwohl macht ihn Ben Affleck zu einem Ereignis, der die aller letzte Szene so richtig auskostet. Weil sie ohne aufgesetzt zu sein Mut macht und den Zuschauer nicht mit einem glatt polierten Hollywood-Happy-End abspeist. Das hätte Ben Affleck selbst vermutlich auch am aller wenigsten gewollt.

Fazit: „Out of Play: Der Weg zurück“ ist ein geradliniges Sportlerdrama, das Ben Affleck aufgrund seiner unübersehbaren Nähe zur Materie zu einem kleinen Ereignis macht. Es ist der Film, den der Schauspieler selbst am meisten verdient hat.

„Out of Play: Der Weg zurück“ ist demnächst in den deutschen Kinos zu sehen.

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