Bad Spies

In der Actionkomödie BAD SPIES werden die Schauspiel-Göttinnen Kate McKinnon und Mila Kunis zu Spioninnen wider Willen. Und das ist leider gar nicht mal so lustig, wie es sich anhört. Mehr dazu verrate wir in unserer Kritik zum Film.

Der Plot

Audrey (Mila Kunis) hat Geburtstag – und ihre Überraschungsfeier muss ohne ihren Freund Drew Thayer (Justin Theroux) auskommen. Der ist nämlich von der Bildfläche verschwunden. Nur ihre beste Freundin Morgan (Kate McKinnon) schafft es, die geknickte Audrey aufzumuntern. Als das Frauengespann Drew via Textnachricht androht, all seine Sachen zu verbrennen, steht er auf einmal wieder vor der Matte. Aufgeregt erklärt er, Spion zu sein und dass er abhauen musste, um Audrey zu beschützen. Nun ist es aber zu spät: Ungewollt zieht er Audrey und Morgan in seinen Berufsalltag hinein. Schon bald werden sie von ein paar Profikillern verfolgt, die es auf einen USB-Stick abgesehen haben, den sie im Besitz der Freundinnen vermuten. Es beginnt eine Hatz, einmal über den großen Teich und dann quer durch Europa…

Kritik

Ahnungslose Normalos, die in eine Actionstory stolpern, bevorzugt in eine über ausgebuffte, abgebrühte Spione – das ist ein relativ oft genutztes Filmvehikel. Von der Jerry-Bruckheimer-Produktion „Bad Company“ bis hin zu „Die Jones – Spione von nebenan“ mit Isla Fisher, Gal Gadot, Jon Hamm und Zach Galifianakis. Obwohl sich Hollywood immer wieder an dieser Masche versucht, führt sie selten zu satten Einnahmen. Neben diesen beiden Genrevertretern war auch „Bad Spies“ mit „Bad Moms“-Star Mila Kunis und „Ghostbusters“-Heldin Kate McKinnon kein US-Kassenschlager. Obwohl die Komödie ein paar Pluspunkte aufweist, ist dieser Misserfolg auch leider nachvollziehbar. Regisseurin Susanna Fogel („Life Partners“) ist selbst nicht der größte Fan von Actionkomödien. Weshalb sie dennoch eine gedreht hat? Um einen Makel in diesem Genre zu beheben, der sie bei einigen Actionkomödien wurmt: In Komödien, die auch einen nennenswerten Actionanteil haben, fallen die Stunts und Schießereien oft sehr lasch aus. So als müsste man sich in Sachen Action ja nicht anstrengen, wenn es dem Film gemeinhin ja mehr um Lacher geht.

Morgan (Kate McKinnon) links und Audrey (Mila Kunis).

Fogel schöpft in „Bad Spies“ daher aus dem Vollen: Der im Original „The Spy Who Dumped Me“ betitelte Europastreifzug begnügt sich nicht mit ein paar seichten Ballereien und mit Verfolgungsjagden, bei denen die Handbremse angezogen bleibt. Stattdessen konstruiert Fogel relativ harsche Actionpassagen, in denen die Hauptfiguren und beste Freundinnen Audrey und Morgan zunächst mit völliger Ahnungslosigkeit und großem Glück die Schurken in die Flucht schlagen, aber nach und nach an Schneid und Können gewinnen. Audrey und Morgan hinterlassen nicht bloß eine Schneise der Zerstörung, bei der es Fogel immer wieder ordentlich scheppern lässt, sie lassen auch massig Blut spritzen. Die FSK-Freigabe ab 16 Jahren hat sich „Bad Spies“ redlich verdient und lässt den letztjährigen Actionkomödien-Kollegen „Killer’s Bodyguard“ mit Samuel L. Jackson und Ryan Reynolds glatt wie einen Kindergeburtstag aussehen. Höhepunkt ist aber schlussendlich keine der blutigen Gewaltspitzen, sondern eine Auto-und-Motorrad-Verfolgungsjagd, in der es die Motorradfahrer auf denkwürdig-krachende Weise durch die Gegend schleudert.

Den Pfeffer, den Fogel ihrer Agentinnenkomödie in den Actionpassagen verpasst, lässt die Regisseurin allerdings in der Umsetzung der verbalen Schlagabtausche vermissen. Das schräge, dauerquasselnde Energiebündel Kate McKinnon wird von Fogel und Cutter Jonathan Schwartz mehrmals hängen gelassen: Wenn der „Saturday Night Live“-Star eine Verrücktheit nach der anderen vom Stapel lässt, fangen Schwartz und Fogel dies in wackligem Schnitttempo ein. Die Monologe McKinnons und ihre Zwiegespräche mit Ensemblekollegen sind oftmals zu hektisch geschnitten, um Witz aus der Spontaneität der sich am Set entwickelnden Situation zu ziehen, gleichwohl ist der Schnitt wiederholt zu nachlässig, als dass sich „Bad Spies“ auf das reine Verbalwitzschlagfeuer konzentrieren würde. Soll heißen: Schräge Dialogwitze bleiben mehrmals ungelenk in der Luft hängen, ehe die Szene weitergeht. „Ghostbusters“ und „Girls‘ Night Out“ fanden in der Vergangenheit einen variablen Rhythmus, der McKinnons Comedytalent deutlich besser zur Geltung brachte.

Drew (Justin Theroux), Audreys Ex, arbeitet bei der CIA.

Obwohl „Bad Spies“ in den Dialogwitz-Sequenzen nie so richtig in den Takt findet, ist das Zusammenspiel zwischen McKinnon und Kunis ein Pluspunkt: Sie sind als beste Freundinnen, die sich vielleicht kurz in den Haaren liegen, aber letztlich stets einander den Rücken stärken, glaubwürdig und verfügen immer dann, wenn das Filmtempo nicht gegen sie ansteuert, über eine grundlegende Interaktionsfreude, die ihren Chaosfiguren Sympathiepunkte einbringt. Dennoch mildern auch sie nicht die mitunter radikalen Richtungswechsel im Drehbuch, das teils durch reine Derbheit auf die Lachmuskeln abzielt, dann lieber durch schiere, naive Albernheit und dann doch eher durch Genre-Seitenhiebe. Fogel und ihr Ko-Autor David Iserson bringen die verschiedenen komödiantischen Ansätze ihres Skripts nie so recht unter einen Hut, was wiederum der Glaubwürdigkeit der Figuren schadet und so die Spannungskurve drosselt. Auch das rein funktionale Spiel von Sam Heughan als Weggefährte unserer Heldinnen und die eher nur spröde Coolness von Justin Theroux als Drew Thayer hemmen das Potenzial. Dafür liefert Tyler Bates, der zwar effiziente, doch oft recht austauschbare Melodien abliefernde Komponist hinter „Guardians of the Galaxy“ und „Deadpool 2“, hier einen seiner markanteren Scores ab.

Fazit: Eine Actionkomödie, in der die Action stärker (und härter) zündet als der Humor: „Bad Spies“ verdient sich durch das Zusammenspiel von Kate McKinnon und Mila Kunis ein paar Sympathiepunkte, schlussendlich gehen aber zu viele Gags den Bach runter.

„Bad Spies“ ist ab dem 30. August bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

  • also ich habe mir den Film jetzt auch angeschaut, und kann dem nur beipflichten.
    Anfänglich ist das Wechselbad aus knallharter Action nach State of the Art und abgelöst durch das Comic Relief wegen des naiven Geschnatteres der beiden Hennen sogar interessant und amüsant. Mit Lauf des Filmes geht es einem dann nur noch auf die Nerven

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