Luis und die Aliens

In der mit deutschen Geldern finanzierten Animationsfilmproduktion LUIS UND DIE ALIENS freundet sich ein Außenseiter mit niedlichen Außerirdischen an. Die Idee ist süß, das Endergebnis ebenso. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Der 12-jährige Luis hat es in der Schule nicht leicht. Denn sein Vater Armin Sonntag ist Ufologe und besessen davon, die Existenz von Aliens nachzuweisen – und insgesamt etwas anders, als andere Väter. Seine Mitschüler finden Luis genauso schräg wie dessen Vater – bis auf Jennifer, die coole Schulreporterin. Da keiner Luis‘ Vater glaubt, noch nicht mal Luis selbst, ist die Überraschung umso größer, als eines Tages die drei Aliens Mog, Nag und Wabo direkt vor Luis bruchlanden. Nach dem ersten Schreck merkt Luis, dass die drei aufgedrehten Aliens alles andere als gefährlich sind. Dafür sind sie umso witziger. Am liebsten würde Luis seinem Vater seine neuen Freunde vorstellen. Aber er kann nicht riskieren, dass er sie schockfrostet. Während Luis versucht, Mog, Nag und Wabo bei einer abgedrehten Mission zu helfen, beschließt der Schuldirektor mit Hilfe der schaurigen Internatsleiterin Miss Diekendaker, dass Luis auf ihrem Internat besser aufgehoben sei, als bei seinem Vater. Doch dorthin will Luis auf keinen Fall!

Kritik

Obwohl dem deutschen Animationskino nicht die Mittel großer US-Produktionen zur Verfügung stehen, schafften es zuletzt immer häufiger 3D-ainimierte Spielfilme aus nationaler Hand in die Kinos, von denen einige, man denke nur etwa an „Happy Family“, sogar richtig gelungen waren. Gedreht wird meist für den internationalen Markt, um ein größtmögliches Zielpublikum zu erreichen. Und seien wir einmal ehrlich: Kein Genre ist so leicht an den Mann zu bringen, wie das der Kinder- und Jugendunterhaltung. Auch „Luis und die Aliens“ wurde zwar hauptsächlich mit (nord-)deutschen Geldern finanziert, die darin zu lesenden Texte sind allerdings auf Englisch und wenn man genau hinschaut, dann sieht man, dass auch die Mundbewegungen im Original einen englischen Text sprechen. Mit diesem Ansatz liegen die beiden Langfilmdebütanten Christoph und Wolfgang Lauenstein jedoch gar nicht daneben. „Luis und die Aliens“ erzählt eine gleichermaßen zeitlose wie geographisch nicht konkret bestimmbare Geschichte, an der junge Zuschauer rund um den Erdball ihren Spaß haben dürften. Warum also nicht direkt auch den Rest des europäischen und vielleicht sogar weltweiten Marktes entern? Der ebenfalls bei den Regisseuren genannte Sean McCormack, bekannt durch „Ooops!, Die Arche ist weg!“, hat mit „Luis und die Aliens“ allerdings kaum etwas zu tun, obwohl ihn die PR recht dominant in den Vordergrund drängt.

Luis wird in der Schule gehänselt, findet in der Schulzeitungsreporterin Jennifer jedoch eine Zuhörerin.

McCormacks quietschbunte Interpretation der Bibelgeschichte rund um die Arche Noah konnte in ihrer banalen Albernheit und unausgewogenen Emotionalität jüngst nur wenig überzeugen. Abseits ausgiebiger Slapstickszenen blieb von „Ooops! Die Arche ist weg“ lediglich der fade Beigeschmack einer minderwertigen „Ice Age“-Kopie übrig – nur eben ohne die tricktechnische Finesse des Dreamworks-Animation-Flaggschiffs. „Luis und die Aliens“ erfindet das erzählerische Rad zwar auch nicht neu – zumindest die gen Ende unterbreitete Botschaft, dass die Liebe zwischen Vater und Sohn wichtiger ist, als der Beruf, ist nicht neu – doch das Drehbuchautorenteam aus Wolfgang und Christoph Lauenstein stutzt das bekannte „Begegnung der dritten Art“-Szenario kindgerecht zusammen und erzählt anhand dessen eine smarte kleine (Verwechslungs-)Geschichte über die Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen. Im Mittelpunkt dessen steht der Teenager Luis, ein Außenseiter und Sohn eines verrückten Alienwissenschaftlers, der aufgrund vermeintlicher Vernachlässigung ins Visier des Jugendamts gerät und eines Tages tatsächlich auf drei ausgewachsene Außerirdische trifft, die die Erde heimsuchen, um sich eines von nur noch ganz wenigen Exemplaren einer Massagematratze aus dem Teleshoppingkanal zu besorgen.

Der Grund für den Erdenbesuch der drei Aliens Mog, Nag und Wabo ist letztlich zweitrangig. Ab dem Moment ihres Aufeinandertreffens mit Luis geht es primär darum, den Jungen vor dem Jugendamt zu retten. Da die Außerirdischen durch einen Trick jede beliebige Gestalt eines Menschen oder Tieres annehmen können, ist klar, dass das ungleiche Quartett auf diese Weise versucht, die böse dreinschauende Amtsmitarbeiterin davon zu überzeugen, dass bei Luis daheim alles in Ordnung ist. Hier ist Platz für jede Menge Slapstick und ein gerade die kleinen Zuschauer beglückendes Spiel mit Farben und Formen – „Luis und die Aliens“ richtet sich in seiner simplen, episodenhaften Erzählweise und den sehr offensichtlich konstruierten Pointen daher eher an ein junges Publikum. Der emotionale Unterbau sorgt indes dafür, dass sich die Erwachsenen nicht langweilen und durch einige gelungene Running Gags (Stichwort: Kamera) zusätzlich unterhalten sind. Die Zeichnung des seinen Sohn ziemlich vernachlässigenden Vaters gerät zum Beispiel angenehm realistisch – Luis‘ Vater entspricht zwar durchaus dem Klischee des verrückten Professors, doch nicht nur seine Hintergrundgeschichte sorgt für erzählerische Substanz, auch der Wandel vom besessenen Alien-Forscher hin zum aufopferungsvollen Vater gerät im Anbetracht des durchaus überraschend kommenden Finals glaubhaft.  Und so ganz ohne eigene Erfahrungen gemacht zu haben, kann man sich – egal ob groß oder klein – ziemlich einfach mit Luis identifizieren, der im Anbetracht echter Außerirdischer auch nicht souveräner reagiert, als vermutlich unsereins in seiner Situation.

Luis hilft seinen neuen Freunden auf ihrer Mission.

Den Charme ganz großer Studioproduktionen kann „Luis und die Aliens“ zwar weder inszenatorisch, noch aus Storysicht aufbringen – dafür ist das 85-minütige Abenteuer optisch zu wenig detailliert geraten und der Geschichte mangelt es an generationenübergreifender Faszination. Doch indem die Verantwortlichen ihre Messages ansprechend und subtil verpacken, stellt das Projekt im Gesamten dennoch zufrieden. Ganz ohne Vorschlaghammer gibt „Luis und die Aliens“ seinen Zuschauern eine feine Lektion über Offenheit gegenüber allem Fremden mit auf den Weg – man muss schließlich nicht sofort mit Schockfrostpistolen auf Aliens schießen, nur weil sie von einem fremden Planeten kommen! Dank des zuckersüßen Designs der Gummibärchen-artigen Weltraumwesen wirkt diese Aussage direkt doppelt, denn während wir aus den Augen von Luis jederzeit wissen, dass seine drei neuen Freunde überhaupt nicht böse sind, hat sein Vater große Angst vor ihnen und stellt so zusätzlich unter Beweis, dass sich vom Aussehen nicht auf den Charakter schließen lässt. Lediglich die alles andere als freundliche Heimleiterin führt ganz offensichtlich etwas Böses im Schilde. Als der Film im Finale jedoch ihre wahre Identität enthüllt, waren wir sogar für einen Moment richtig überrascht. Für Kinoeinsteiger könnte das der erste große Plottwist einer langen Karriere als Filmliebhaber sein.

Fazit: „Luis und die Aliens“ ist ein charmantes Animationsabenteuer mit einer sympathischen Botschaft, vielen Gags und putzigen Außerirdischen, an dem kleine Zuschauer ihre helle Freude haben werden und das die erwachsenen (Begleit-)Zuschauer nicht langweilen wird.

„Luis und die Aliens“ ist ab dem 24. Mai in den deutschen Kinos zu sehen.

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