Videoabend: Kill Your Friends

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner neuen Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich Owen Harris‘ Fantasy-Filmfest-Knaller „Kill Your Friends“, der seit dem 18. März 2016 im Handel erhältlich ist.

Kill Your Friends

Steven Stelfox (Nicholas Hoult) ist der Auserwählte! Sein Wille macht aus unbekannten Musikern Bands mit Plattenvertrag. Dabei interessiert sich Steven gar nicht für Musik. Sein einziger Gott ist der Profit. Das Ziel ist immer der nächste große Hit, der die Kassen seines Musiklabels füllt. Und Steven Stelfox ist ein Riesen-Arschloch! Skrupellos, krank vor Ehrgeiz und zynisch bis zum Abwinken kokst und vögelt sich der junge A&R-Manager durch die Britpop-Szene der 90er Jahre. Aber der Erfolgsdruck steigt. Als Stelfox bei einer Beförderung übergangen wird, greift er zum Baseballschläger und erledigt seinen Rivalen (James Corden) für immer. Zunächst mit Erfolg. Doch neue Hindernisse fordern drastische Maßnahmen und die Blutspuren auf Stevens Karriereleiter werden immer größer…

Universum Home Entertainment bewirbt ihn so: 

Lug. Betrug. Mord. Ein ganz gewöhnlicher Tag in der Musikindustrie.

Kritik

Die Medienbranche ist ein gefundenes Fressen für eine zynische Betrachtungsweise. Dort, wo sich die Reichen und Schönen vergnügen, ist der Skandal nicht weit und entsprechend leicht fällt es, unausgesprochene Gesetze im Musik- und Filmbusiness satirisch aufzubereiten. Irgendwie wird all das, was dort gezeigt und gesagt wird, schon irgendwie stimmen – und dieser Wunsch, nur einmal hinter die Kulissen blicken zu dürfen, lässt uns Dinge als gegeben in Kauf nehmen, ohne das wir näher über sie nachdenken. Von genau so einem Schlag ist „Kill Your Friends“ von „Misfits“– und „Black Mirror“-Regisseur Owen Harris, der hierzulande nur auf dem Fantasy Filmfest zu sehen war und vor einigen Tagen seinen Weg ins Heimkino gefunden hat. „Mad Max“-Star Nicholas Hoult schlüpft darin in die Rolle eines fiesen Musikproduzenten, dessen einziges Ziel ein Maximum an Profit ist. Dabei erinnert seine Performance (auch aufgrund eingeschobener Erklär-Sequenzen, in denen er sich direkt an sein Publikum richtet) unweigerlich an Leonardo DiCaprios Jordan Belfort in „The Wolf of Wall Street“, wenngleich „Kill Your Friends“ sowohl thematisch beschränkter, als auch inszenatorisch wesentlich kompakter geraten ist.

Wer sich mit „Kill Your Friends“ in erster Linie einen Musikfilm erhofft, der hat leider Pech gehabt. Zwar wirbt das Cover unübersehbar mit einem Soundtrack, der Namen wie Oasis, Blur, Radiohead, The Prodigy und The Chemical Brothers beinhaltet, doch im Fokus der 103 Minuten langen Erzählung stehen unübersehbar die Abgründe des Business‘. Es geht um Sex, um Drogen und um Gewalt. Und gerade weil das so ist, bildet der ansonsten so zierlich liebevoll wirkende Nicholas Hoult einen hervorragenden Kontrast zu dieser oberflächlichen Welt. Er verkörpert die personenbezogene Profitgier und funktioniert als geldgeiler Drecksack hervorragender, als man es ihm aufgrund seiner zurückhaltenden Physis zunächst zutrauen würde. Wann immer er den Zuschauer tatsächlich an Verhandlungen, Castings und Vertragsverhandlungen teilhaben lässt, macht „Kill Your Friends“ mit seiner knallharten Attitüde richtig Spaß. Doch zwischen derartigen Sequenzen hat der Film leider auch einiges an Leerlauf vorzuweisen, ist gut 15 Minuten zu lang und auch die Nebendarsteller wie Moritz Bleibtreu („Die dunkle Seite des Mondes“), Ed Skrein („Deadpool“) oder James Corden („Into The Woods“) können zwar Akzente setzen, sind allerdings nicht mit solch einer großen Screentime gesegnet, dass sie den Film dauerhaft prägen. So wirkt „Kill Your Friends“ trotz eines schönen Ansatz und einiger sehr gelungener Passagen eher den Eindruck eines Serienauftakts, nicht aber den eines eigenständigen Films.

KILL YOUR FRIENDS stammt von Owen Harris. Drehbuchautor ist John Niven, der auch den gleichnamigen Roman schrieb. Unter den Darstellern finden sich Nicholas Hoult, Ed Skrein, James Corden, Rosanna Arquette, Tom Riley und Moritz Bleibtreu. Bei dem Film handelt es sich um eine britische Thrillerproduktion aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray erhältlich und ab 16 freigegeben. Die Länge beträgt 103 Minuten.

Fazit

„Kill Your Friends“ erinnert stilistisch und inhaltlich an eine abgespeckte Variation von „The Wolf of Wall Street“, ist qualitativ aber nicht so konsequent zynisch wie sein Vorbild. Dafür gefallen die Darsteller in ihren – pardon – durch und durch abgefuckten Rollen und trotz der Untermauerung diverser Klischees im Hinblick auf die Medienbranche ist Owen Harris‘ Ausflug in die Musikszene definitiv einen Blick wert.

Mein Tipp: gerne ausleihen!

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