Die highligen drei Könige

Drei beste Freunde begeben sich in DIE HIGHLIGEN DREI KÖNIGE einen Tag vor Heiligabend auf einen irren Trip durch New York. Die besten Freunde, das sind in diesem Fall Seth Rogen, Joseph Gordon-Levitt und Anthony Mackie. Bei dieser Konstellation kann für Leute des derben Humors eigentlich gar nichts schief gehen, doch vertragen sich die Themen Drogen, Sex und Alkohol mit der besinnlichen Weihnachtszeit? Das verrate ich in meiner Kritik.Die highligen drei Könige

Der Plot

Ethan (Joseph Gordon-Levitt) Isaac (Seth Rogen) und Chris (Anthony Mackie), Freunde seit Kindheitstagen, nutzen ihr Treffen an Heiligabend seit Jahren, um gemeinsam eine rauschende Party zu feiern. Doch es ist Zeit, ihr Verhalten endlich ihrem Alter anzupassen und erwachsen zu werden. Während Isaac kurz davor steht, Vater zu werden und Chris als Profisportler mittlerweile viel zu berühmt ist, um gemeinsam mit seinen Freunden um die Häuser zu ziehen, versucht Ethan, wieder das Herz seiner Ex-Freundin zu erweichen. So steht die weihnachtliche Tradition der drei Freunde vor dem Aus. Das bevorstehende letzte Fest muss also so unvergesslich wie möglich werden. Unterstützung haben sie dabei in Isaacs Frau Betsy (Jillian Bell), die ihrem Mann ein „berauschendes“ Weihnachtspäckchen mit auf den Weg gibt – es kann also eigentlich nur noch alles schief gehen. Die drei Kumpels stürzen sich in die Nacht, um den ‚Nutcracka Ball‘ zu finden – den heiligen Gral aller Weihnachts-Partys und hinterlassen dabei eine Spur der Verwüstung.

Kritik

Seth Rogen und Evan Goldberg haben in ihrer Position als Drehbuchautoren und Produzenten schon so einige US-Comedy-Meilensteine zu ihrem verdienten Erfolg geführt. Sei es nun der unterschätzte Nachbarschaftskrieg „Bad Neighbors“, die mittlerweile zum Kult avancierte Weltuntergangsgroteske „Das ist das Ende“ oder die skandalumwitterte Nordkorea-Abrechnung „The Interview“: Dieses Duo Infernale trifft einfach einen gewissen Komödienzeitgeist, wie es andere Hollywood-Comedys nicht zwingend zu tun vermögen. Auch in „Die highligen drei Könige“, einer Weihnachtskomödie, die allein für ihr gewitztes Titelwortspiel einen Orden in Form einer goldenen Bong verdient hat und der es damit absolut rechtfertigt, dass man sich bei dem im Original simpel „The Night Before“ betitelten Film dazu entschloss, ihn hierzulande umzubenennen, treten die beiden hauptberuflichen Blödelbarden erneut auf den Plan. Zusammen mit Joseph Gordon-Levitt („The Walk“) und Anthony Mackie („Ant-Man“) in den Hauptrollen begibt sich Rogen auf eine irrwitzige Tour de Force durch das schneebedeckte New York und wird dabei nicht bloß von einem ziemlich pfiffigen Drehbuch sondern auch von einer ganzen Reihe ideal besetzter Nebendarsteller unterstützt. Mit der Regie wurde derweil Jonathan Levine betraut, der seine Vita nach der 80s-Slasher-Hommage „All the Boys Love Mandy Lane“, der bittersüßen Tragikomödie „50/50 – Freunde fürs (Über)Leben“ und der sympathischen Horrorromanze „Warm Bodies“ um ein weiteres Genre ergänzt. In „Die highligen drei Könige“ darf Levine, der auch die Story selbst entwickelte, mal so richtig die Sau raus lassen und baut im Finale trotzdem auf ebenjenen Schuss Besinnlichkeit, durch den ein Weihnachtsfilm erst zu einem solchen wird.

Seth Rogen

Dass man „Die highligen drei Könige“ seinen Balanceakt zwischen absurder Sauftour und im Kern friedvoller Familienfilmthematik abnimmt, liegt am simplen aber stimmigen Drehbuch. Die Chronologie der Ereignisse dient nur der Aneinanderreihung der sketchartigen Stationen, die Ethan, Isaac und Chris auf ihrem Trip durchlaufen. Trotzdem besticht der Film durch eine glaubhafte, dramaturgische Klammer. Ohne die Charaktere bemüht mit allzu viel Tiefgang zu versehen, gelingt es Levines Skript, sie alle mit einer feinen Hintergrundgeschichte auszustatten. Isaac muss sich tief im Inneren mit der Angst vor dem Scheitern als Vater auseinandersetzen, Chris hat aufgrund seines Erfolges nicht nur die Sonnenseiten seiner Prominenz kennengelernt und Ethan hat als junger Mann seine Eltern verloren, was schlussendlich auch der Grund für die traditionelle Drei-Mann-Weihnachtsfeier gewesen ist. Mit einer derartigen Figurenkonstellation machen die Verantwortlichen aus ihrem Film zwar noch lange kein Charakterdrama, doch die fortwährende Entwicklung der Charaktere ist nicht bloß glaubwürdig, sondern in ihrem Maße auch genau richtig, um den eigentlichen Tonfall des durch und durch humoristischen Filmes nicht auflaufen zu lassen.

„Die highligen drei Könige“ seine Goldberg-Rogen-Herkunft anzusehen, ist nicht schwer. Der Humor schwankt zwischen banal, zynisch und kindisch, ist aber auch mit einer ganzen Menge kreativer Ideen gespickt. So erweist sich das überpenetrante Product Placement von Marken wie Red Bull oder Sony (man achte an dieser Stelle einmal auf die Studioherkunft des Films!) etwa als sowas wie eine inoffizielle Verbeugung vor Michael Bay, dessen Produktionen bislang das Non-plus-Ultra für derartige Finanzierungskonzepte darstellten. Das mögen manche vielleicht für dreist halten, doch „Die highligen drei Könige“ spielt so offensichtlich mit diversen Markeneinblendungen und bezieht sie aktiv in die Pointenfindung mit ein, dass jede neue Produktplatzierung diesen Gag weiter ausreizt, bis sie schließlich mit der Schlussszene ihren geflügelten Abschluss findet. Dass der Film auch mit Cameos nicht geizt, dürften sich die Fans der Combo bereit gedacht haben. Dem Überraschungseffekt zuliebe seien sie an dieser Stelle selbstredend nicht verraten. Doch auch abseits des kreativen Involvierens mehr oder weniger bekannter Markennamen hat Jonathan Levines Regiearbeit einige Highlights zu bieten. Sei es nun ein im vollkommenen Rausch stattfindendes Zwiegespräch zwischen Isaac sowie Maria und Josef, ein aus dem Ruder laufender Sex-Chat mit einem sehr gut bestückten Unbekannten oder das wiederholte Aufeinandertreffen der Dreiercombo mit dem geheimnisvollen Dealer Mr. Green (Michael Shannon): „Die highligen drei Könige“ ist mitnichten jeder uninspirierte Klamauk, den eine weniger fähige Mannschaft aus ihm hätte machen können. Stattdessen ist es eben ein etwas anderer Weihnachtsfilm, bei dem das Thema Weihnachten alles andere als zu kurz kommt.

Die highligen drei Könige

Um am Ende zu jener Besinnlichkeit zu gelangen, die schon während der Drogeneskapaden der drei Kumpels immer wieder durchscheinen, benötigt es jedoch auch hier eines Konflikts. Dafür legt das Drehbuch mit seinen solide umschriebenen Charakteren schon zu Beginn den Grundstein, denn dass die verschiedenen Lebenspunkte der Freunde über kurz oder lang eine Auseinandersetzung untereinander zutage fördern, ist bei einer solch langen Freundschaft absolut nicht weit hergeholt. Trotzdem verzichtet Levine auf eine Überdramatisierung. Der Streit der Freunde ist glaubhaft und dient der Sache. Nicht umsonst ist die Weihnachtszeit auch im wirklichen Leben oft eine Nervenprobe für Paare, Familien und Freundschaften. Gleichzeitig trägt die Erdung der Figuren dazu bei, dass auch die sich rasch ergebende Klärung der Konflikte nicht aufgesetzt wirkt. Das, was passiert, ist realistisch und verhilft dem Film dadurch zu jener dramaturgischen Klammer, auf die bereits zu Beginn dieser Rezension eingegangen wurde. „Die highligen drei Könige“ ist gewiss ein großer Spaß für alle Zuschauer jenseits der 16 Jahre (an dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass die FSK-Freigabe aufgrund des freimütigen Umgangs mit Rauschmitteln und der teils sehr sexualisierten Sprache durchaus Sinn ergibt). Doch die Aussage, dass die Weihnachtszeit eine solche ist, die uns alle dazu animieren sollte, für einen Moment zusammenzurücken, zieht sie nicht ins Lächerliche. Ein feiner Balanceakt, den Jonathan Levine hervorragend meistert.

Fazit: Wie das Publikum „Die highligen drei Könige“ im Vergleich zu „Das ist das Ende“, „Bad Neighbors“ sowie „The Interview“ einordnen wird, ist eine Frage des persönlichen Humorempfindens. Regisseur Jonathan Levine und sein hervorragend aufgelegtes Ensemble, das zu keinem Zeitpunkt die Frage aufkommen lässt, ob das Team auch wirklich Spaß beim Drehen hatte, machen aus dieser etwas anderen Weihnachtskomödie einen Film für vor, während und nach dem Fest mit hoher Gagdichte, absurden Ideen und feinen Zwischentönen.

„Die highligen drei Könige“ ist ab dem 26. November in den deutschen Kinos zu sehen.

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