Meine Lieblinge: Horror (2)

Im zweiten Teil präsentiere ich euch die Plätze zwölf, elf und zehn meiner mir liebsten Horrorfilme. Wer den Auftakt und somit auch meine Erläuterung verpasste, was das Horrorgenre derart reizvoll macht, dass die Fangemeinde stetig wächst, dem sei an dieser Stelle Teil eins ans Herz gelegt. Viel Spaß mit Teil zwei!

 

12 / THE STRANGERS

USA 2008 | Regie: Bryan Bertino | Darsteller: Liv Tyler, Alex Fisher, Scott Speedman,Peter Clayton-Luce, Gemma Ward, Kip Weeks, Laura Margolis | Trailer

In Horror-Fankreisen genießt „The Strangers“ einen zweifelhaften Ruf als Langweilerfilm. 2009, also zu einer Zeit, in der „Saw“, „Hostel“ und Co. das Genre dominierten, kam mit der Mischung aus psychologischem Thriller und knallhartem Horror ein etwas anderes Kammerspiel in die Lichtspielhäuser, das sich hierzulande nicht gegen die offensivere Konkurrenz durchzusetzen vermochte. Auf internationalem Parkett spielte der Debütstreifen von Bryan Bertino jedoch knapp 83 Millionen Dollar ein – bei Produktionskosten von zehn Millionen ein beachtliches Ergebnis. Ein zweiter Teil ist bereits beschlossene Sache. Ob der nun nötig ist, ist angesichts der abgeschlossenen Handlung seines Vorgängers fraglich. Zieht man das Sequel jedoch ähnlich intensiv auf, könnte es „The Strangers 2“ immerhin in meiner Gunst erneut nach ganz weit oben schaffen. Ob es brutalere Filme gibt? Definitiv! Ob man atmosphärischere antrifft, wenn man lange, lange danach sucht? Das wage ich stark zu bezweifeln.

„The Strangers“ ist ein beachtliches, den Zuschauer und seine Psyche jederzeit forderndes Horrorstück, das erzählt, wie ein Paar, gespielt von Liv Tyler („Der Herr der Ringe 1-3“) und Scott Speedman („Für immer Liebe“) hinterrücks und ohne jegliche Gründe von drei Eindringlingen überfallen und terrorisiert wird. Die Brutalität und die Schlagkraft, mit welcher die Ereignisse den Zuschauer in die Magengrube treffen, resultieren dabei nicht aus vor der Kamera ausgeführten Gewalttaten. Die Tatsachen, dass man nie etwas über die Beweggründe der Fremden erfährt, dass die Situation sich wie aus dem Nichts heraus entwickelt, dass man mit Tyler und Speedman zwei von Natur aus sympathische Darsteller hat, denen man ihr Leid zu jeder Sekunde abnimmt und sich der Film nie so entwickelt, wie man glaubt (woraus resultiert, dass der Streifen alles andere als vorhersehbar ist), machen „The Strangers“ zu einem überaus unkonventionellen Film. Die mit Masken ausgestatteten Fremden bleiben – im wahrste Sinne des Wortes – gesichtslos und werden so zu einer nicht einzuschätzenden Gefahr. Was passiert als nächstes? Wie weit gehen sie? Wie viele Qualen, im Sinne von Demütigungen und Angst, muss das Paar noch über sich ergehen lassen? Wer derartigen Horror liebt, der die Angst vor dem „schwarzen Mann“, der „unbekannten Gefahr“ thematisiert, dürfte in „The Strangers“ sein schwer verdauliches Glück gefunden haben.

Dieser Film könnte dir gefallen wenn du FUNNY GAMES oder THE PURGE mochtest.

 

11 / V/H/S – EINE MÖRDERISCHE SAMMLUNG

USA 2012 | Regie: David Bruckner, Glenn McQuaid, Radio Silence, Joe Swanberg, Ti West, Adam Wingard | Darsteller: Calvin Reeder, Lane Hughes, Adam Wingard, Joe Sykes, Drew Sawyer, Jas Sams,. Drew Moerlein, Jeannine Elizabeth Yoder | Trailer

Keine Filmsparte unterwirft sich regelmäßig so offensichtlich einzelnen Trends, wie es die horrende tut. Nach dem Teenie-Horror in den 90ern revolutionierten Anfang der 2000er die Torture-Porn-Filme das Genre. Wenige Jahre nach dem Anbruch des neuen Jahrtausends war es der Found-Footage-Trend und dieser hält nicht nur bis heute an, sondern hat sich mittlerweile sogar schon seine (mehr oder weniger gelungenen) Parodien wie etwa „Ghost Movie“ oder „Scary Movie 5“ erarbeitet. „V/H/S – Eine mörderische Sammlung“ kombiniert die Handkamera-Optik mit dem Aufbau eines Episodenfilms und umgeht dabei den Fehler, immer noch mit dem heutzutage nicht mehr ernst zu nehmenden PR-Stuss, dieses Material sei tatsächlich gefundenes, zu spielen. „V/H/S“ nutzt lediglich die Vorteile des Subgenres und zieht aus diesen schnell alle Register. Fünf einzelne Geschichten, von einer (leider sehr schwachen) Rahmenhandlung um ein paar Halbstarke, die sich auf der Suche nach einer Vhs-Kassette durch allerhand kranke Videoclips kämpfen, umspannt, wagen Ausflüge in ganz unterschiedliche Bereiche des Schreckens. Während die eine Story Dämonenweiber thematisiert und sich auf übersinnlichen Horror besinnt, kommt eine weitere eher ruhig und in Thriller-Manier daher. Wieder andere Episoden gehen in die offensichtliche Splatter-Ecke, während die letzte und von vielen als gelungenste erachtete sehr an den klassischen „Haunted House“-Horror erinnert.

Somit ist „V/H/S“ vor allem eines: abwechslungsreich. Die verschiedenen Regisseure kreierten ihre Kurzgeschichten ganz nach ihrem Geschmack und warfen dabei jegliche Horror-Konventionen über Bord. Bei diesem Unterfangen herausgekommen ist ein extrem schnell erzählter, brutaler, sehr gruseliger und erschreckender Film, der nicht alle offenen Fragen bis zum Ende beantwortet, gerade dadurch aber so unberechenbar wirkt, und eben gerade hierdurch überzeugt, dass er sich nicht auf ein Subgenre beschränkt, sondern auf zig verschiedene zurückgreift. Dies bedeutet für das Publikum vor allem, in jede Richtung offen zu sein. Zwar ist für jeden etwas dabei, richtig genießen lässt sich „V/H/S“ aber erst dann, wenn man sich ausnahmslos auf jede der Storys uneingeschränkt einlässt. Der Film schockt durch kompromisslose Bilder und teils sehr rabiate Geschichten, gruselt durch die Atmosphäre, die die einzelnen Storys aufbauen und wirkt dank der andersartigen Inszenierung (Horror + Episodenfilm sind anderswo kaum anzutreffen) stets frisch und modern. Den Inhalt der einzelnen Parts zu verraten und meinen Lesern damit den Spaß zu nehmen, den „V/H/S“ vor allem ohne viel Vorkenntnis macht, käme mir an dieser Stelle natürlich nicht in den Sinn.

Dieser Film könnte dir gefallen, wenn du PARANORMAL ACTIVITY oder REC mochtest.

 
 
10 / THE HAPPENING

USA/IN/FR 2008 | Regie: M. Night Shyamalan | Darsteller:  Mark Wahlberg, Zooey Deschanel, John Leguizamo, Ashlyn Sanchez, Betty Buckley, Spencer Breslin, Robert Bailey Jr. | Trailer

M. Night Shyamalan musste verdammt viel Häme und Spott für seine fünfte Regiearbeit nach dem Wahnsinnserfolg „The Sixth Sense“ einstecken. Ich auch. Denn wann immer ich für „The Happening“ Partei ergreife, rollt mein Gegenüber entweder mit den Augen, oder beschwert sich nach der Sichtung bei mir über die verlorene Zeit. Und das, wie ich finde, völlig zu Unrecht. Die Mischung aus Katastrophenthriller und Mysteryhorror kommt zwar ohne Zweifel in einem sehr gemächlichen Tempo daher und hat mit dem Eindruck, den der Film in seinem Trailer verspricht, so gar nichts gemein. Dennoch hat der Streifen, mit Mark Wahlberg („Ted“) und Zooey Dechanel („Zum Ausziehen verführt“)  in den Hauptrollen, diese Schelte nicht verdient.

Die Story um ein sich durch die Luft verbreitendes Gift, welches die Menschen in den Selbstmord treibt, ist in erster Linie wie ein ordentlich durchdachter Katastrophenthriller aufgemacht. In spektakulären Bildern bringen sich auf offener Straße Dutzende von Menschen um. Das ist nicht nur furchteinflößend inszeniert, sondern legt auch den Grundstein für eine spannungsgeladene Flucht seitens der Hauptfiguren. Dabei drückt Shyamalan – zugegebenermaßen – nicht sonderlich oft aufs Gas. Sein ganzer Film ist geprägt von einem ruhigen Tempo. Damit die Spannung dabei nicht auf der Strecke bleibt, besinnt sich der indisch-amerikanische Filmemacher auf den Realismus der Situation, inszeniert die Szenerie unaufgeregt und streut zwischendurch immer wieder unvorhergesehene Schocksequenzen ein. Dass sein im Mittelpunkt stehendes Protagonistenpärchen nebenbei noch mit einer Beziehungskrise zu kämpfen hat und das Ende aufgrund der mangelnden Auflösung nur knapp an der unfreiwilligen Komik vorbeischrammt, ist zwar definitiv nicht von der Hand zu weisen. Vor allem letzteres lässt sich mit dem Erweitern des eigenen Horizonts jedoch sehr leicht verschmerzen. Seinen Schrecken zieht „The Happening“ ganz klar aus den brillanten Bildern und der Tatsache, dass Shyamalan eine derartige Bedrohung augenscheinlich für nicht abwegig hält. Entsprechend nüchtern fällt seine Zukunftsvision aus. Wer keinen Katastrophenthriller im Stile von „The Day after Tomorrow“ erwartet und damit leben kann, dass sich offensive Schocks und Gore-Szenen in einem sehr übersichtlichen Rahmen halten, dem huscht beim Gedanken an „The Happening“ vielleicht auch in Zukunft ein perfides Lächeln übers Gesicht.

Dieser Film könnte dir gefallen, wenn du SIGNS – ZEICHEN oder KNOWING mochtest.

 

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